Gods
Die Bitmap Brothers wissen, was sie ihrem Ruf schuldig sind - hier nach der Qualität zu fragen, ist schon fast eine Majestätsbeleidigung! Aber mit dem Werbeslogan einer bekannten Automarke könnten wir es mal versuchen: Ist das neue Game nun einfach himmlisch oder teuflisch gut?
Im Grunde genommen ist Gods so eine Art Actionversion von „Cadaver“: Einerseits muß eine ganze Schar grausiger Gegner dahingemetzelt werden, anderseits gilt es aber auch ein paar ausgesprochen knackige Rätsel zu lösen, Schätze aufzusammeln und natürlich seine drei Bildschirmleben beisammenzuhalten. Al einer, der auszog, den Göttern das Fürchten zu lehren, marschiert man durch eine altertümliche Stadt, deren Architektur leicht griechisch angehaucht ist. Die beschwerliche Reise führt durch insgesamt vier riesige Level, die wiederum je drei umfangreiche Unterabschnitte enthalten. Dabei stößt der Held auf jede Menge Plattformen und Leitern, Fallen, die mit Hebeln ausgeschaltet werden müssen, und Bonusräume wie Schatz- und Waffenkammern.
Wie von den Bitmaps nicht anders zu erwarten, ist die Götterspeise ganz schön komplex: Beispielsweise gibt es zehn untereinander kombinierbare Waffenarten und fast zwanzig verschiedene Zaubertränke – für jedes Wehwechen eines. Auch rennen die Gegner in den Höheren Leveln nicht einfach stupide hin und her, sondern versuchen, das Spielersprite richtiggehend auszutricksen – durch Auflauern, Ausweichen oder Zusammenrotten. Außerdem paßt sich der Schwierigkeitsgrad automatisch den Leistungen des Joystick-Artisten an! Mit anderen Worten: Je mehr Monster einer umhaut, umso mehr kriegt er auch serviert. Dazu kommen noch diverse Kleinigkeiten, wie Shops zum Nachtanken von Energie und Waffen, wichtige Hinweise in einer Laufschrift am unteren Screenrand und „Überrasschungs-Eier“, die sich nach dem Aufsammeln in Goldstücke oder auch mal eklige kleine Zombies verwandeln. Die Grafik ist bei alledem höchst beeindruckend, etwa das Beste aus „Xenon 2“ und „Cadaver“ als komplett neuartiger Remix. Sicher, wer ganz genau hinschaut, kann ein minimales Ruckeln beim Scrolling entdecken, und die NTSC-Streifen sind natürlich nicht zu übersehen. Aber über dem feinen Zeichenstil und den hübschen Animationen ist das sofort vergessen! Ein kleines bißchen enttäuschend ist der Title-Soundtrack, Nation 12 war bei der Musik für „Speedball 2“ deutlich besser in Form. Dafür sind wiederum die Effekte absolut spitzenmäßig und tragen sehr viel zur dichten Atmosphäre des Games bei. Was die Handhabung angeht, so will sie erstmal erlernt sein, aber dann klappt alles vorzüglich – vom Gegner-Killen bis zum Inventory-Verwalten. Und über allem erstrahlt ein wahrhaft göttliches Gamedesign, das dieses Programm zu einem ebenbürtigen Konkurrenten für den aktuellen Platzhirschen „Turrican 2“ macht. Keine Frage: Spätestens mit Gods ist den Bitmap Brothers ein Ehreplatz im Programmierer-Olymp sicher! (mm) Amiga Joker, Mai 1991 |
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hinzugefügt: June 5th 2013
Magazin: AJ
Punkte: 4
Hits: 1542
Sprache: german