Denn viel mehr als eine Datadisk ist es nun mal nicht, was Sensible Software hier den Fans der schwartzhumorigen Stratego Ballerei offeriert. Die Zwei hinter dem Titel mach rechtlich zwar ein neues Verfahren der BPS erforderlich, rechtfertigt aber nicht unbedingt den Preis: Das wenige, was hier abgeändert wurde, ist oft genug eine Verschlimmbesserung. So schockt bereits das Titelbild die Veteranen mit dilettantischer Grafik, und die Musik hat nicht mehr annähernd die Klasse des genialen -Tracks. Auch die Jingles im Spiel selbst kennt man ganz überwiegend schon, und daß auf dem Soldatenfriedhof (dessen Bild ebenfalls ein Abklatsch der bekannten Grafik ist) keine Beerdigungen mehr stattfinden, ist ja auch nicht unbedingt eine Verbesserung. Gameplay und Steuerung sind hingegen ganz wie gehabt: Das linke Mausohr sorgt für Bewegung unter den Wuselsprites, mit dem rechten wird geballert, beide zusammen bepflastern das Iso-Terrain mit Granaten oder Raketen. Und natürlich kann man sein Regiment immer noch in Teams aufteilen und die Karte studieren.
In den ersten Levels watet man durch getötete Araber, jagt Hütten oder Zelte in die Luft und weicht versteckten Sprengfallen aus. Neu sind Schalter, die zur Betätigung einladen, und natürlich der Transport per UFO zu außerirdischen Schlachtfeldern.
Aber auch Aliens haben rotes Blut, und wenn zwischenrein (quasi als Test für den großen interplanetairen Endkampf) mal im Mittelalter gemetzelt wird, wundert man sich über gar nichts mehr: Während hier Rammböcke die Jeeps ersetzen, warten die Waffen der Burgherren mit einer erstaunlichen Ähnlichkeit mit modernen Kugeln und Raketen auf. Interessant auch, daß die Rammböcke ihren Geräuschen und Abgasen nach wohl mit Diesel betrieben werden! Immerhin ist dann bei der Schlacht um die Hochhausschluchen im Chicago der 30er Jahre das Szenario wieder stimmig.
Wer sich also dasselbe Feuerwerk an Ideen erwartet, wie es der Vorgänger gezündet hat, sieht sich enttäuscht – zumal die neuen Kampfgebiete nicht mehr so liebevoll designt wurden un mit ihren Massen an Gegnern den Schwierigkeitsgrad in Höhen schrauben, die nach eigener Auskunft selbst dem "obersensiblen" Jon Hare suspekt sind. Die Präsentation hat insgesamt eher nachgelassen, und daß keine Missionen für Nullmodem-Krieger eingebaut wurden, ist ein weiteres Ärgernis. Unter dem Strich ist Cannonfodder 2 damit ein Fall für Fans, die bereit sind, auch mal etwas mehr Geld in eine für sich alleine spielbare Datadisk zu investieren. Und natürlich eine Beschäftigungstherapie für arbeitslose Jugendschützer... (mm)
Amiga Joker, Januar 1995
|
CANNONFODDER2
(SENSIBLE SOFTWARE/VIRGIN) |
ACTION-STRATEGIE |
73%
"SCHNELLSCHUSS" |
 |
GRAFIK
ANIMATION
MUSIK
SOUND-FX
HANDHABUNG
DAUERSPAß |
71%
73%
66%
76%
80%
73% |
FÜR EXPERTEN |
PREIS |
DM 79,- |
SPEICHERBEDARF
DISKS/ZWEITFLOPPY
HD-INSTALLATION
SPEICHERBAR
DEUTSCH |
1 MB
3/JA
NEIN
SPIELSTANDE/HIGHSCORES
KOMPLETT |
|